Frankfurt am Rhein – Sequenz Nummer eins.

Ich beschloss ein Buch über Paris zu schrieben. Mit allen Höhen und Tiefen. Und ja, ich bin noch dabei, allen Zweiflern zum Trotz. Es geht leider über die Landesgrenzen und Deadlines hinaus, obwohl der deutsche Boden mich schon längst wieder hat. Da neben Sebastian keiner meine Worte forderte, denke ich, dass die Nachfrage sich in Grenzen hält (Tut mir leid Sebbo) Zu Paris demnächst mehr. (Vielleicht)   Aber greift doch alles Hand in Hand, nichts wäre ohne Vorgeschichte passiert.   Ich wohne im Herzen von Frankfurt am Main- seit sechs Wochen und bin etwas überwältigt. Nach Paris und Mainz, war Frankfurt doch der logische Schritt. Es hätten München, Berlin, Mannheim oder Hamburg sein können, aber es wurde Frankfurt.   Ich bezog die zwei Zimmer im Norden-Ost als Nachmieter einer echten Rauputzschlampe. Acht Jahre strich diese Uschi keinen Millimeter und stopfte Bohrlöcher mit Silikon. Ja richtig, Silikon! Kein Molto irgendwas, Zahnpaste, oder einem laschen Tempo. Nein, es musste Silikon sein. Das kann man anschließend besonders mies überstreichen.   Nun, ich kam klar, bohrte, dübelte und kühlte Bier im Kühlschrank. Ich erwischte mich dabei, wie ich in mich in meiner neu gewonnen Freiheit und dem Besitz einer Spülmaschine die Pfandflaschen durchwusch. Weil ich es konnte.   Aber dies sei dahingestellt. Letzten Samstag folgte ich dem Aufruf der Facebook Gemeinschaft „Neu in Frankfurt (meet)“ sich auf eine Kneipentour zu treffen. Da alle Löcher von Silikon befreit, jede Pfandflasche gespült war, dachte ich „warum nicht“ und folgte dem Aufruf.   Gut gütiger Gott. Da trifft man zufällig Menschen, welche man noch nicht einmal zufällig kennen lernen möchte. Frei nach dem Motto, „Hallo ich bin der Hans, ich bin der große „Ficker“ aber ich trinke am liebsten Hefeweizen an der Bar. Die Frauen finden dies schon sexy genug.“ Oder: ...weißt du was bei mir richtig gut kommt? Wenn die Weiber auf mich zukommen und ich mich nicht zum Affen machen muss!“   Ja genau. So, genau so läuft der Hase!   Hier ins Frankfurt am Main ist es wie in Frankfurt an der Oder. Oder in jeder anderen Stadt. Großwildjagd mit Kleinkaliber trifft auf Damenwahl im Herrenpuff. Die wirklich reichlich mit Schönheit gesegneten Menschen bleiben lieber unter sich und vermählen sich untereinander. Auswahlkriterien sind massig Pomade in den Haaren der Herren und kleine Blüschen, von Haushälterin Ming-Lee persönlich gestärkt, welche an den zarten Körpern der Damen aber auch sehr entzückend wirken.   Eine Schicht drunter gesellt sich eine fast undefinierbare graue Gruppe von Berufseinsteigern, Studenten, Angestellten und Künstlern. Diese sind gern unter sich, aber nur weil sie es müssen.   Der sichtbare Satz der Gesellschaftspyramide (es gibt auch den Unsichtbaren, der ist aber nicht sichtbar, nur spürbar und somit nicht beschreibbar) trollt sich zwischen allen Gruppen hin und her. Das Einkommen spielt eine kleine Rolle. Es ist die Größe des Verstandes, die Möglichkeit von der Haupt-bis zur Konstablerwache zu wandern ohne einmal „äischweisnisch“ oder „dasmöschtschnisch“ zu sagen. Der Aufmerksame Leser erkannte anhand dieser Beispiele sofort: der Buchstabenreigen „s c h“ ist hier der Schlüssel zur Identifikation. Allerdings sind weitere gesellschaftliche Studien notwendig, um das ganz große Bild zu zeigen.   Ach so, meine Vormieterin gehörte irgendwo in die graue Masse, lies sich gern mal auf einen Drink oder zwei an der Bar ihres Vertrauens einladen, flirtete sicherlich hölzern mit einem jungen Herren aus der Provinz, zeigte Bein, um anschließend den Heimweg alleine anzutreten. „Sorry, war echt nett, aber mein Freund wohnt in Hamburg und vögelt dort seine Ex. Ich hingegen bin treu.“ – „Auf einen Kaffee treffen? Hm, lieber nicht, was soll mein Partner von mir denken?“   So stelle ich mir das vor. So war sie. Aber das hätte mir schon früher klar sein müssen. Wer zur Hölle spachtelt Silikon in Bohrlöcher? Keine Menschen!      
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